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Bewehrungstechnik

Zug- und Druckkräfte ableiten

Da Beton zwar hohe Druck-, aber nur geringe Zugkräfte aufnehmen kann, starteten Mitte des 19. Jahrhunderts Versuche, Beton durch Eiseneinlagen zu verstärken beziehungsweise zu bewehren. Nach dem Inhaber des ersten Patents auf diesem Gebiet, dem Gärtner Joseph Monier, werden die verwendeten Rundeisen noch heute von einigen Moniereisen genannt. Durch das Metallgeflecht können Zugkräfte und – in besonders belasteten Bereichen – auch Druckkräfte effektiv aufgenommen werden.

Die Anforderungen an die Bewehrung richten sich nach DIN 488 und Eurocode 2.


Die Mitgliedsunternehmen der ECS bieten verschiedene Produkte im Bereich der Bewehrungstechnik an. Die unterschiedliche Positionierung und Produktausrichtung innerhalb des Vereins ist gewollt, solange dies der Qualitätspolitik des Vereins und den gemeinsamen Kriterien entspricht.


In folgenden Bereichen der Bewehrungstechnik sind ECS-Mitglieder aktiv:


Bewehrungsanschlüsse sorgen für die Verbindung zwischen Stahlbetonbauteilen. Je nach Bauteil und Aufgabenstellung stehen verschiedene Anschlussvarianten zur Verfügung:

• Schraubanschlüsse verbinden Stahlbetonteile untereinander und sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich.
• Klemmanschlüsse werden bei der Sanierung von Bewehrungen eingesetzt, schaffen die Verbindung zwischen alten und neuen Bauabschnitten oder zu großen Fertigteilen wie zentralen Treppenaufgängen.
• Rückbiegeanschlüsse verbinden schnell und kraftschlüssig Stahlbeton-Fertigteile, die in unterschiedlichen Bauphasen hergestellt werden.


• Querkraft- oder Schubdorne übertragen die Querkräfte an Fugen zwischen einzelnen Bauwerksteilen wie Betonplatten oder Stützen.
• Stützenschuhe schaffen den Anschluss zwischen Fundament und Stahlbetonfertigteilstützen. Sie ermöglichen eine schnelle Montage ohne   zusätzliche Montagestreben.

Die Produkte der Mitgliedsunternehmen der ECS aus diesem Bereich sind entweder durch Zulassungen oder Typenprüfungen geregelt und entsprechen dem Sicherheitsstandard der DIN EN ISO 1992-1-1 (Eurocode 2).

Flachdecken sind als kostengünstige Bauweise im gesamten Betonbau weit verbreitet, da sie neben einem geringen Schalungsaufwand eine optimale Raumausnutzung bieten. Der Einsatz einer Durchstanzbewehrung im Bereich der Stützen erlaubt durchgängig dünne Decken, da sie sehr hohe Querkräfte aufnimmt. Ein rascher Baufortschritt ist ebenso gewährleistet wie die notwendige hohe Einbausicherheit. Für den Einbau der Durchstanzbewehrung stehen verschiedene Ausführungen für Ortbeton und Elementdecken zur Verfügung

• Einbau der Durchstanzbewehrung von unten: Durchstanzbewehrung und Abstandhalter werden direkt auf die Schalung gesetzt und untere sowie obere Stabstahlbewehrung über die Bolzenköpfe eingebaut.

• Einbau der Durchstanzbewehrung und der Abstandhalter zwischen den Bewehrungsmatten, indem die Durchstanzbewehrung eingesetzt wird nachdem die unteren Bewehrungslagen verlegt sind.

• Einbau der Durchstanzbewehrung von oben, das heißt nach dem Einbau der unteren und oberen Bewehrungslagen.

Die Anbringung von Balkonen stellt hohe Ansprüche an die verwendeten Anschluss-Systeme. Sie müssen:

• erhöhten Anforderungen an die Korrosionsbeständigkeit genügen,
• die Bildung von Tauwasser im Gebäudeinneren verhindern,
• entsprechend der Energieeinsparverordnung (EnEV) Wärmebrücken unterbinden,
• Anforderungen an den Schallschutz erfüllen,
• der Feuerwiderstandsklasse des Gebäudes angepasst sein und
• den Umgebungsbedingungen des Balkons gerecht werden.


Entsprechend stehen unterschiedliche Systeme zur Verfügung, die je nach Einbausituation Biege- und/oder Querkräfte aufnehmen, beispielsweise bei auskragenden Balkonplatten, gelenkig gelagerten Balkonen oder in Loggiabereichen. Auch spezielle Lösungen für Betonfertigteile stehen zur Verfügung. Ergänzend zur Befestigung des Balkons bieten ECS-Mitglieder Ankerschienen und passende Befestigungssysteme für Geländer und Brüstungen an.

Für die Dauerhaftigkeit von Stahlbeton-Bauteilen und die Erfüllung der Brandschutzanforderungen ist eine ausreichende Betonabdeckung der eingelegten Bewehrung von maßgeblicher Bedeutung. Um eine ausreichende Betonabdeckung sicherzustellen, werden Abstandhalter eingesetzt, die die Bewehrung beim Verlegen und anschließenden Betonieren fixieren. Da die Abstandhalter im Stahlbeton verbleiben, darf ihr Material auch langfristig keinen ungünstigen Einfluss auf den Beton oder die Bewehrung haben. Abstandhalter können nach Form (linienförmig, flächig oder punktförmig) und Material (Kunststoff oder zementgebunden) eingeteilt werden.

In Bauteilen, die häufigen Frost-Tau-Wechseln oder Temperaturbeanspruchungen ausgesetzt sind, unterliegen die Abstandhalter besonderen Anforderungen. Dies gilt auch, wenn sie in wasserundurchlässige Stahlbeton-Bauteile eingesetzt werden. In Sichtbetonteilen müssen Abstandhalter sorgfältig gewählt werden, um eine möglichst gute Optik zu erzielen. Hier kann es notwendig werden, Versuchsplatten mit verschiedenen Abstandhaltern anzufertigen. In jedem Fall sollte die Auswahl der Abstandhalter durch den Planer und nicht durch die ausführende Baufirma erfolgen, da nur dem Planer alle relevanten Daten vorliegen.